Warum überhaupt eine zusätzliche IP?
- Separate IPs pro Projekt/Kunde oder dedizierte SSL-Zertifikate
- Saubere Reverse DNS (PTR) für Mailserver
- Migrations-, Staging- oder Routing-Szenarien
Vorbereitung: Netzwerkdaten vorab prüfen
Bevor du eine zusätzliche IP einrichtest, prüfe die vorhandene Netzwerkkonfiguration und die exakten Angaben deines Providers zur neuen IP:
ip addr ip route ip -6 route
Notiere dir:
- Primäre IPv4 + Prefix (z. B.
/24) - Primäres Gateway (IPv4 & IPv6)
- Zusätzliche IPv4 + Prefix (vom Provider, z. B.
/20oder/32) - MAC-Adresse des Interfaces (für Netplan
match)
Wichtig: Nutze immer den vom Provider angegebenen Prefix. Ein falscher Prefix führt zu Routingproblemen.
„Nur in ISPConfig eintragen“ reicht nicht – typische Fehlerbilder
- Website unter der neuen IP nicht erreichbar (Interface hat die IP nicht gebunden)
- Let’s Encrypt schlägt fehl (ACME HTTP-01 erreicht die IP nicht)
- Falscher Standard-VHost antwortet oder Timeout/Connection Refused
- Nach Reboot sind Änderungen weg (Cloud-Init hat Netplan-Dateien überschrieben)
Debian 12: Warum kein /etc/network/interfaces mehr?
Ab Debian 11 wird standardmäßig systemd-networkd (ggf. mit NetworkManager) verwendet. Netzwerkprofile liegen in:
/etc/netplan/(Netplan YAML)- oder
/etc/systemd/network/(networkd-Units)
Cloud-Init beachten (Reboot-feste Änderungen)
Viele Images nutzen cloud-init, das Netplan-Dateien beim Boot neu schreibt. Für dauerhafte Änderungen:
sudo mkdir -p /etc/cloud/cloud.cfg.d
echo 'network: {config: disabled}' | sudo tee /etc/cloud/cloud.cfg.d/99-disable-network-config.cfg
sudo mv /etc/netplan/50-cloud-init.yaml /etc/netplan/01-netcfg.yaml
Beispiel: Primäre IPv4 (/24) + zusätzliche IPv4 (/20) + IPv6
In diesem Beispiel verwenden wir Platzhalter:
- Primär:
your-ip/24mit Gatewayyour-gateway-ip - Zusätzlich:
extra-ip/20(kein eigener Gateway!) - IPv6:
2001:db8:abcd::1/64mit Gatewayfe80::1(Link-Local)
network:
version: 2
ethernets:
eth0:
match:
macaddress: 00:40:36:13:5f:8g # Beispiel mac-adress
set-name: eth0
addresses:
- your-ip/24 # primäre IPv4
- extra-ip/20 # zusätzliche IPv4 (Prefix exakt wie Provider!)
- 2001:db8:abcd::1/64 # Beispiel-IPv6
nameservers:
addresses:
- 1.1.1.1
- 8.8.8.8
- 2001:4860:4860::8888
routes:
- to: 0.0.0.0/0
via: your-gateway-ip
- to: ::/0
via: fe80::1
Hinweise: gateway4/gateway6 sind veraltet → nutze routes:. on-link: true ist nur für Spezialfälle (z. B. /32 on-link) nötig.
Dateirechte härten & anwenden
sudo chmod 600 /etc/netplan/01-netcfg.yaml sudo netplan generate && sudo netplan apply
Unkritische Warnung: Cannot call openvswitch: ovsdb-server.service is not running. kann ignoriert werden, sofern du OVS nicht nutzt.
⚠ Häufige Fehler beim Hinzufügen zusätzlicher IPs (Anti-Pitfalls)
- Zweiter Gateway gesetzt: Nur eine Default-Route konfigurieren. Ein zweiter Gateway macht den Server oft unerreichbar.
- Falscher Prefix: Präfix exakt wie vom Provider (z. B.
/20vs./24). - IPv6-Gateway falsch: Immer Link-Local (
fe80::1) nutzen, kein globales IPv6 als Gateway. - Cloud-Init aktiv: Ohne Deaktivierung überschreibt ein Reboot deine Netplan-Änderungen.
- Interface-Match falsch:
match: macaddress+set-namekorrekt, sonst bindet Netplan nicht am richtigen Device.
Funktion testen
ip addr show dev eth0 ip route ip -6 route ping -c3 1.1.1.1 ping -c3 extra-ip
In ISPConfig eintragen & nutzen
- System → Server IP Addresses → Add new IP
- IP Address: z. B.
extra-ip - Dem richtigen Server zuordnen und speichern
- Bei der Website/Domain in ISPConfig diese IP auswählen
ISPConfig ergänzt im Nginx-VHost automatisch:
listen extra-ip:80; listen extra-ip:443 ssl http2;
🛡 Backup & Recovery: Falls die Netzwerk-Konfiguration fehlschlägt
Vor Änderungen an Netplan immer ein Backup erstellen. So kannst du bei Fehlern (z. B. falscher Gateway/Prefix) schnell zurückrollen.
1) Vor Änderungen: Backup erstellen
# Backup-Verzeichnis sudo mkdir -p /root/backups # Wenn Cloud-Init genutzt wird: sudo cp /etc/netplan/50-cloud-init.yaml /root/backups/50-cloud-init.yaml.backup.$(date +%F-%H%M) # Wenn du bereits manuell verwaltest (empfohlen): sudo cp /etc/netplan/01-netcfg.yaml /root/backups/01-netcfg.yaml.backup.$(date +%F-%H%M)
2) Netzwerk ist nach der Änderung tot? (VNC/KVM/Recovery)
Über die Provider-Konsole per VNC/KVM (oder Rettungssystem) einloggen und Backup zurückspielen:
# Beispiel: manuelle Datei wiederherstellen sudo cp /root/backups/01-netcfg.yaml.backup.* /etc/netplan/01-netcfg.yaml sudo chmod 600 /etc/netplan/01-netcfg.yaml sudo netplan generate && sudo netplan apply
3) Sofort-Checks
ip addr ip route ping -c3 1.1.1.1
Wenn das klappt, ist SSH wieder erreichbar.
Zusammenfassung
- Vorab
ip addr&ip routeprüfen und Provider-Prefix übernehmen. - Nur eine Default-Route setzen.
routes:stattgateway4/gateway6verwenden.- Cloud-Init für Netzwerk deaktivieren, um Reboot-Festigkeit zu sichern.
- In ISPConfig eintragen, DNS (A/AAAA) & PTR sauber setzen.
- Backups anlegen; bei Bedarf per VNC/KVM schnell zurückrollen.
Hinweis: Dieser Artikel vermeidet bewusst jeglichen Provider-Bezug. Er ist mit generischen Test-Netzen geschrieben und kann 1:1 auf gängige VPS/Root-Server-Setups übertragen werden.
🔗 Weiterführende Quellen
- TransIP Knowledgebase – Adding an IPv4/IPv6 address in Debian 12
- Debian Wiki – Network Configuration
- Netplan.io – Offizielle Konfigurationsbeispiele
Diese externen Links dienen als zusätzliche Referenz zu unserer Anleitung. Sie basieren auf offiziellen oder etablierten Dokumentationen und ergänzen die hier beschriebenen Schritte.
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